Berstdruckprüfung für Felgen-Reifen Kombination

Aufgrund unseres aktuellen Rückrufes haben wir uns sehr intensiv mit den aktuellen Berstdruck-Prüfungen beschäftigt.
Sehr schnell haben wir die Notwendigkeit eines Tests mit größerer Sicherheit als der bekannte DIN ISO 4210 Test erkannt.
Der aktuelle DIN ISO 4210 Test sieht folgendermaßen aus:
Maximal zulässiger Reifendruck plus 10%
D. h. ein Reifen mit einem maximal zulässigem Reifendruck von 9,0 bar wird mit 9,9 bar geprüft. Diesen Druck muss der Reifen für 5 Minuten standhalten ohne abzuspringen.
Unsere vom Rückruf betroffenen Rennradfelgen haben diese Anforderung übrigens bestanden!
Das ist nach unserem heutigen Wissensstand aber deutlich zu wenig. Wir haben festgestellt, dass 5 Minuten nicht ausreichen damit sich der Reifen unter dem Druck vollkommen ausdehnen kann. D. h., selbst wenn der Reifen dem Druck für 5 Minuten Stand halten kann ist es nicht unwahrscheinlich dass der Reifen nach längerer Zeit abspringt.
Es gibt beim DIN ISO 4210 Test außerdem keine Angaben zum Prüfmedium (Luft oder Wasser) und es gibt auch keine Vorgaben wie schnell der Druck aufgebaut werden soll / darf / muss.
Beides hat unserer Erfahrung nach aber einen Einfluss auf die Testergebnisse.
Wir haben uns deshalb eine Testvorrichtung mit entsprechenden Testablauf erarbeitet.
Wir haben uns für Luft als Prüfmedium entschieden, denn das ist die einzig realistische Möglichkeit die Reifen- Felgenkombination zu prüfen. Dazu ist es notwendig das zu prüfende Laufrad in einer sicheren Berstdruckbox zu prüfen, damit umherfliegende Teile niemanden verletzen. Des weiteren ist während des Prüfvorgangs -im Gegensatz zum Prüfmedium Wasser- immer Gehörschutz zu tragen.
Die Prüfung mit Luft ermöglicht es uns übrigens auch, die Berstdruckprüfung von Tubeless montierten Reifen. Und zwar exakt wie im wirklichen Leben … mit Tubelessband und Milch.
Die Milch im inneren des Reifens übernimmt nämlich nicht nur eine abdichtende Aufgabe, sie „schmiert“ den Reifen auch und lässt ihn unter Umständen noch schneller von der Felge springen.
Um der Realität so genau wie möglich zu folgen drehen wir das Laufrad in der Berstdruckbox, so dass sich die Tubeless-Milch im Reifeninnern wie in der Realität über den kompletten Innenumfang des Reifens verteilt.
Unser aktueller Prüfstandard sieht folgendermaßen aus:
- Prüfmedium ist Luft
- Startdruck ist immer der maximal zulässige Reifendruck
- Dieser muss für 2 Stunden gehalten werden
- Der Druck wird dann jeweils um 10% des maximalen Reifendrucks angehoben wobei der jeweilige Druck wieder für 2 Stunden gehalten werden muss
- Bei Erreichen des 1,6fachen des maximalen Reifendrucks ist der Test bestanden, vorausgesetzt es sind keine Schäden ersichtlich und der Reifen ist nicht von der Felge gesprungen

Die Hauptunterschiede zur DIN ISO 4210 Berstdruck-Prüfung anhand eines Beispiel-Reifen mit max. zulässigen Druck von 9,0 bar:

DIN ISO 4210
Prüfdruck 9,9 bar, Haltedauer 5 Minuten zzgl. der Zeit zum Druckaufbau, ca. 3 Minuten
Prüfdauer: ca. 8 Minuten
Maximaldruck: 9,9 bar


NEWMEN Standard
Startdruck 9,0 bar, Prüfdruck wird jeweils um 10% (0,9 bar) erhöht, der Druck wird jeweils 2 Stunden gehalten.
Prüfdauer: 14 Stunden
Maximaldruck: 14,4 bar